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Brandenburgische Gespräche

Gesprächsreihe im Staatstheater Cottbus

Theater sind Räume für öffentlichen Austausch. Wir möchten diesen Austausch mit einem Format fördern, das drängende Fragen unserer Zeit auf die Bühne bringt: Die Brandenburgischen Gespräche thematisieren, was unsere Gesellschaft bewegt, in dieser Region und weit darüber hinaus.

In dieser Spielzeit läuft die Reihe unter der Überschrift „Grenzenlose Identität“. Viele aktuelle Probleme zeigen sich in der Lausitz wie unter einem Brennglas: ökonomische Transformationen mit Energiewende und Klimawandel, das Miteinander verschiedener Kulturen, soziale Auseinander­setzungen und gesellschaftliche Konflikte, die nicht erst seit Corona deutlich werden – all diese Aspekte stellen grundsätz­liche Fragen danach, wie wir leben wollen.

Viermal im Jahr treffen Schriftsteller*innen, Künstler*innen, Wissen­schaftler*innen und andere Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in offenen Dialogen aufeinander. Pointiert, unterhaltsam, provokativ, humorvoll. Der Auftakt wird moderiert von der rbbKultur-Redakteurin Natascha Freundel.

Der Eintritt frei. Kostenlose Eintrittskarten erhalten Sie im Besucherservice und unter www.staatstheater-cottbus.de.

Eine Koproduktion mit

 


in Kooperation
mit der

Termine & Themen

Freitag, 2. Oktober 2020 O FREIHEIT
Am Vorabend des 30-jährigen Jubiläums des Tags der Deutschen Einheit war der Zeithistoriker Ilko-Sascha Kowalczuk zu Gast. Thema des Abends ist die Frage, was Freiheit für den Einzelnen und die Gesellschaft bedeutet.

O Audio-Link zur Sendung

 

Montag, 15. März 2021 O MACHT
mit dem Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller sowie dem Osteuropahistoriker Karl Schlögel O Moderation: Natascha Freundel

Auf die Frage, was Freiheit für sie sei, antwortete die Jazz-Sängerin und Bürgerrechtsaktivistin Nina Simone: »keine Angst zu haben«. Doch Angst ist wieder auf dem Vormarsch. Angst ist gefährlich. Angst macht uns manipulierbar. Doch ist sie überwindbar. Das beste Beispiel dafür sind die Menschen in Belarus. Sie trotzen ihrer Angst für ihre Freiheit. Wie Menschen frei und friedlich leben können, sind Fragen politischer Macht und ihrer Legitimation. Mit zwei großen Experten für Macht und Freiheit, dem Politikwissenschaftler Jan-Werner Müller und dem Osteuropahistoriker Karl Schlögel, werden wir ihnen auf den Grund gehen.

Jan-Werner Müller ist Politikwissenschaftler und Professor für Politische Theorie und Ideengeschichte an der Princeton University. In seiner jüngsten Publikation erläutert er ausführlich den Zusammenhang zwischen »Furcht und Freiheit« (so der Titel des Buchs) und seine Bedeutung für eine freiheitliche politische Ordnung. 2019 erhielt Jan-Werner Müller dafür den Bayerischen Buchpreis.

Karl Schlögel  ist Osteuropahistoriker, Professor emeritus für osteuropäische Geschichte und Publizist. Seinem Selbstverständnis historischer Forschung liegt Schlögels Überzeugung von lebendiger Zeitgenossenschaft zugrunde. In seinem jüngsten Buch »Der Duft der Imperien« widmet er sich auch jenseits der Metapher dem Zusammenhang von Macht und Gerüchen. Karl Schlögel ist Träger unzähliger Preise und Ehrungen, zuletzt 2019 des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.

 

Montag, 12. April 2021 O GLEICHHEIT
mit den Schriftstellerinnen Katja Lange-Müller und Terézia Mora O Moderation: Natascha Freundel

Gleichheit – das ist heute noch immer eine Forderung moderner Gesellschaften. Zugleich scheint die Diskussion darum, was Gleichheit ist, immer umstrittener: Gleichheit ist nicht dasselbe wie Gleichwertigkeit und nicht wie Gerechtigkeit. Die Frage nach Gleichheit beinhaltet schnell auch Ansprüche nach Macht, dem Ausgleich von Benachteiligungen und danach, welcher Kategorie der Vorzug gegeben werden soll: der Quantität oder der Qualität. Ist Gleichheit eine Utopie? Oder eine Dystopie? Was wäre gerecht? Und wie geht man dann mit etwas um, das sich nicht in den Griff kriegen lässt? In ihren Werken nutzen die Schriftstellerinnen Katja Lange-Müller und Terézia Mora oftmals den Humor, helfen ihren Figuren durch Komik und Witz aus Notlagen. Beide werden sich mit Natascha Freundel über Gleichheit und Ungleichheit unterhalten und darüber, wie man unlösbaren Problemen begegnet. Möglich, dass beide dabei aus ihrem Reservoir schöpfen werden.

Katja Lange-Müller ist Schriftstellerin. Sie verfasst hauptsächlich Erzählungen und Romane wie zuletzt 2016 »Die Drehtür«, veröffentlichte aber zuletzt auch Ihre Vorlesungen, die im Rahmen ihrer Dozentur der Frankfurter Poetik-Vorlesungen entstanden sind. Darin geht sie dem »Problem als Katalysator« (so der Buchtitel) nach und berichtet neben Studien zu Motiven anderer Schriftsteller darüber, warum Komik eine Waffe der Schwachen ist. Zuletzt wurde sie 2017 mit dem Günter-Grass-Preis geehrt. Katja Lange-Müller ist Tochter der Volkskammerabgeordneten Inge Lange.

Terézia Mora ist Schriftstellerin. Aus einer deutschsprachigen Familie in Ungarn stammend, wuchs sie zweisprachig auf, schreibt aber auf deutsch. In den vergangenen zehn Jahren veröffentlichte sie u. a. eine Romantrilogie, in der sie ihren Helden von Ungarn aus (»Der einzige Mann auf dem Kontinent«) über den Balkan quer durch Osteuropa und (in »Auf dem Seil«) auf die größte Insel des deutschen Sehnsuchtslands Italien schickt, um ihn zuletzt doch in Berlin landen zu lassen. Für diese drei Romane erhielt sie u. a. den Deutschen Buchpreis; 2018 erhielt Terézia Mora den Georg Büchner-Preis.

 

Montag, 10. Mai 2021 O WAHRHEIT
mit der Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler und dem Schriftsteller Marcel Beyer O Moderation: Natascha Freundel

»Eine Lüge reist einmal um die Erde, während sich die Wahrheit die Schuhe anzieht«, schrieb schon der Romancier Mark Twain, dessen Leben sich bekanntlich vor der Erfindung des Internet vollzog. Marina Münkler und Marcel Beyer leben in der digitalen Echtzeit, in der die Wahrheit ihre Schuhe oft noch zu suchen scheint, während die Lüge schon wieder da ist. Die Literaturwissenschaftlerin Marina Münkler ist als Professorin für ältere Literatur eine Expertin für den Komplex von Zeiten, Wahrheit und Erfindung und schlägt mit ihren gesellschaftsanalytischen Büchern (wie zuletzt mit »Abschied vom Abstieg. Eine Agenda für Deutschland«, zusammen mit Herfried Münkler) einen Bogen über die Zeiten. Marcel Beyer sucht in seinen Romanen und Gedichten der Zeit beizukommen, jüngst erst erfand er dafür einen »Dämonenräumdienst« (so der Titel seines neuesten Gedichtbands). Er wurde für sein literarisches Schaffen mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet, einer Ehrung, die auch für die politische Dimension des Schreibens vergeben wird. Wie verhalten sich heute Wahrheit und Lüge im außermoralischen, im künstlerischen Sinn? Sind Moral und Kunst überhaupt voneinander zu trennen? Ist Wahrheit eine Kategorie des Schreibens? Und wie verhält sich Wahrheit zur Wirklichkeit? All dies sind Fragen des Schreibens – und nicht zuletzt auch: Wie politisch ist Wahrheit?

Marina Münkler ist Professorin für ältere und frühneuzeitliche deutsche Literatur und Kultur an der Technischen Universität Dresden. Dabei beschäftigt sie sich u. a. mit Legendenbildung, also auch damit, wie wir Erzählungen in ein Verhältnis zu Wahrheit setzen können. Zudem bildet sie eine wichtige Stimme im öffentlichen politischen Diskurs darüber, wie wir als Gesellschaft Gemeinschaft bewahren können. Nicht zuletzt entscheidet sich dies nämlich auch daran, wie wir über uns und über einander erzählen.

(Copyright: Amac Garbe)

Marcel Beyer ist Schriftsteller. Er verfasst vornehmlich Lyrik, Essays und Romane, zuletzt den öffentlich bejubelten Lyrikband »Dämonenräumdienst«. Marcel Beyer wurde zahlreich geehrt, u. a. 2016 mit dem Georg Büchner-Preis, dem renommiertesten Literaturpreis der deutschen Sprache, oder jüngst 2019 mit dem Kunstpreis der Landeshauptstadt Dresden.

 

Nachzuhören auf rbbkultur.de und auf lr-online.de

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