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Brandenburgische Gespräche mit Jörg Thadeusz

Zwischen Himmel und Erde – Gesprächsreihe mit Jörg Thadeusz und Gästen

„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?“ Diese Frage stellen wir uns mit all ihrer Hoffnungsverzweiflung wieder öfter. Ihr Motiv ist die Sehnsucht nach Beständigkeit und Veränderung gleichzeitig, so widersprüchlich wie leicht nachzu- empfinden. Steckt nicht, wie in jedem Widerspruch, auch in diesem Satz ein Fünkchen Wahrheit? Im Rückblick erscheint uns oft vieles klarer, gewinnt es erst an Kontur und dadurch an Grund und Sinn; da wir in der Gegenwart mit ungelösten Herausforderungen konfrontiert sind, wirken die vergangenen gelösten wie selbstverständlich als die besser gewesenen Probleme. Das Geheimnis dahinter ist die Zeit. Deshalb wollen wir der Zeit, der Gegenwart wie ihrer Vor- und Nachläufer, in der neuen Ausgabe der Brandenburgischen Gespräche Raum geben. Vielleicht gelingt es, uns ihr zu nähern.

Wir ändern nichts am Format, nichts am die Abende verbindenden Thema: Jörg Thadeusz empfängt zwei Gäste mit himmelschreiend unterschiedlichen Professionen und redet mit ihnen über die Welten unserer Erde. Wir werden sehen, zu welchen Gunsten sich das Verhältnis von Beständigkeit und Veränderung in 90 Minuten Gespräch verschieben kann.

Der Eintritt ist frei.

Kostenlose Tickets sind erhältlich direkt im Besucherservice sowie über den Webshop, den Spielplan und an der Abendkasse.

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TERMINE & GÄSTE

Jörg Thadeusz ist Journalist, Radio- und Fernsehmoderator und gilt als einer der bekanntesten und besten Gesprächsleiter im deutschen Fernsehen. Im Radio ist er besonders mit der Moderation der Wissenschaftssendung „Die Profis“ auf Radio Eins bekannt worden, im Fernsehen als Außenreporter der WDR-Kultsendung „Zimmer frei“. Seit 2013 moderiert er im RBB Fernsehen die politische Diskussionssendung „Thadeusz und die Beobachter“ und im WDR 2 die Talksendung „Thadeusz“. Auch in der Spielzeit 22.23 ist er wieder Gastgeber und Moderator der „Brandenburgischen Gespräche“.

 

►Mo 09. Jan. 2023 O Mit Nele Schenker und Annette Simon

Eine Sportjournalistin und eine Psychoanalytikerin sind an diesem Abend zu Gast. Nele Schenker widmet sich als Beobachterin dem Leistungsgruppensport Fußball, Annette Simon ergründet in ihrer jahrzehntelangen Praxis als Analytikerin und Therapeutin die psychologischen Dynamiken gesellschaftlicher Repressions- und Umbruchsprozesse, besonders Identitätsverluste durch die Wende und Deutsche Einheit. Wenn sich Fußball als Gegenstand zur Erforschung gruppenpsychologischer Prozesse eignet und der Trainer als eine Art Gruppentherapeut gilt – brauchen wir als Gesellschaft einen neuen Übungsleiter, um uns besser mit- und übereinander zu verständigen?

Nele Schenker wurde 1990 in Cottbus geboren und widmet sich dem Sport, seit sie denken kann. Nach dem Kunstturnen wurde sie zur Leistungssportlerin in Leichtathletik und besuchte die Eliteschulen am Olympiastützpunkt Brandenburg in Potsdam und Cottbus. Seit 2019 steht sie als ausgebildete Sportjournalistin für den Sportsender Sky live im Studio und im Stadion und moderiert u. a. die Spiele der Deutschen Bundesliga. Zudem setzt sie sich für behinderte Kinder und Jugendliche ein und ist Sport-Schirmherrin der McDonald’s Kinderhilfestiftung.

Nele Schenker (© Berli Berlinski)

Annette Simon, Jahrgang 1952, ist Psychologin und Psychoanalytikerin. Nach dem Einmarsch der Warschauer Pakt-Staaten in Prag wurde sie Mitglied verschiedener oppositioneller Gruppen in der DDR, 1989 Mitglied im Neuen Forum. Seit 1991 beschäftigt sich Annette Simon in ihrer Praxis und als Autorin mit der ostdeutschen Mentalität, Identität und den psychosozialen Prozessen der Vereinigung sowie der Auseinandersetzung mit dem ostdeutschen Rechtsradikalismus. Ihre Bücher, z. B. „Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin“. Versuch über ostdeutsche Identitäten (2009, 2020) zeigen Simons unaufhörliche Reflexion ihres Berufs und seiner besonderen Stellung in der Gesellschaft.

Annette Simon (© privat)

Nachzuhören am auf den Veranstaltungstag folgenden Samstag, 19.03 Uhr, in der Sendung „Unser Leben“ auf www.rbbkultur.de

 

►Mo 06. Mär. 2023 O Mit Ottmar Edenhofer und Jan Faktor

Literatur kann trösten, weil wir die Figuren nur beobachten, die auf ihrem Eigensinn beharren, der natürlich nichts zur notwendigen Veränderung einer Sachlage beiträgt. Wie die Hauptfigur in Jan Faktors neuem Roman „Trottel“. Angesichts der gigantischen Forderungen nach Veränderung, die an uns und unsere Lebensweise gestellt wird: Sind wir alle Trottel? Kann es uns gelingen, einen Eigensinn zu überwinden, um einen größeren zu bewahren? Jan Faktor, Experte für Literatur und Trost, und Ottmar Edenhofer, Experte für Ökonomie und Klimawandel, erläutern das Dilemma.

Ottmar Edenhofer, Jahrgang 1961, ist Professor an der Technischen Universität Berlin und gilt als einer der weltweit führenden Experten für die Ökonomie des Klimawandels. Er ist Direktor und Chefökonom am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sowie Direktor des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change. Ottmar Edenhofer beschäftigt sich in seiner Forschung u. a. mit realistischen Lösungswegen für die gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen des Klimawandels und dem damit verbundenen Problem internationaler Gerechtigkeit. Er ist seit 2021 auch stellvertretender Vorsitzender des Nachhaltigkeitsbeirats des Landes Brandenburg.

Ottmar Edenhofer (© Ausserhofer/PIK)

Jan Faktor, Jahrgang 1951, ist ein tschechisch-deutscher Schriftsteller. Sein jüngster Roman „Trottel“ stand gerade auf der Short List des Deutschen Buchpreises 2022. Darin beschreibt Faktor auch die Zeit, in der er selbst nach Ostberlin übersiedelte, und das Untergrundgeschehen der 70er und 80er Jahre, in denen Faktor als Kindergärtner und Schlosser arbeitete und sich bis 1989 fast ausschließlich in der inoffiziellen Literaturszene engagierte. In der Wendezeit war Faktor Mitbegründer der Zeitung des Neuen Forum und Mitarbeiter der Anderen Zeitung. Für „Trottel“ erhielt Faktor den Wilhelm-Raabe-Literaturpreis.

Jan Faktor (© Joachim Gern)

Nachzuhören am auf den Veranstaltungstag folgenden Samstag, 19.03 Uhr, in der Sendung „Unser Leben“ auf www.rbbkultur.de

 

►Mo 19. Jun. 2023 O Mit Anna Prizkau und Ines Geipel

Obgleich beide Gäste dieses Abends heute in derselben Zunft künstlerisch und beruflich zu Hause sind, könnten ihre persönlichen Herkünfte unterschiedlicher kaum sein: die frühere DDR-Leistungssportlerin und heutige Schriftstellerin und Professorin für Verskunst an der Ernst Busch Hochschule für Schauspielkunst Ines Geipel und die aus Moskau stammende Feuilletonredakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und Autorin Anna Prizkau. Ähnliche Fragen scheinen die beiden zu begleiten: Welche Prägungen nehmen wir gern mit in und durch unsere Leben? Welche werden wir nicht los, egal wie sehr wir sie loswerden wollen?

Anna Prizkau wurde in Moskau geboren und kam 1994 nach Deutschland. Sie war zum Ingeborg Bachmann-Wettbewerb 2021 eingeladen und ist Mitbegründerin des PEN Berlin. Seit 2016 ist sie Redakteurin bei der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und schreibt über Ausländer, über Deutschland und andere Länder und über Literatur. Beim Verlag Matthes & Seitz ist 2020 „Fast ein neues Leben“ erschienen, in dem Prizkau in Kurzgeschichten über Herkunft und Ankommen und Fremde erzählt.

Anna Prizkau (© Julia von Vietinghoff)

Ines Geipel ist nach ihrer Karriere als Leichtathletin im Leistungssport der DDR Schriftstellerin und Hochschullehrerin geworden. Bereits vor ihrer Flucht studierte sie während ihrer Zeit im Leistungssport Germanistik und beschäftigte sich mit weiblichen Sozialbiografien und in der DDR unterdrückten oder unbeachteten Autorinnen wie Inge Müller, die Ehefrau von Heiner Müller. 2019 erschien der autobiografische Essay „Umkämpfte Zone“, dessen Bühnenfassung 2020 am Staatstheater Cottbus uraufgeführt wurde.

Ines Geipel (© Annette Hauschild)

Nachzuhören am auf den Veranstaltungstag folgenden Samstag, 19.03 Uhr, in der Sendung „Unser Leben“ auf www.rbbkultur.de

 

RÜCKSCHAU

Mo 26. Sep. 2022 O Gäste: Gesine Grande, Psychologin und Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg und Schauspieler Thomas Thieme
„Wann wird es endlich wieder so, wie es nie war?“. Diese sehnsüchtige Frage nach Veränderung für Beständigkeit ist ein zuverlässiger Begleiter dieser Tage. In der neuen Saison gehen wir mit Jörg Thadeusz und seinen Gästen der Wahrheit im Widerspruch auf die Spur. Wir werden sehen, zu welchen Gunsten sich das Verhältnis von Beständigkeit und Veränderung in 90 Minuten verschieben kann. – Mit Gesine Grande, Psychologin und Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, und einem der größten Schauspieler unserer Tage, Thomas Thieme.

Hinweise

  • Dauer: ca. 90 Min.
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