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Musiktheater

Don Giovanni

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von Wolfgang Amadeus Mozart

Dramma giocoso in zwei Akten KV 527
Libretto von Lorenzo da Ponte
In italienischer Sprache mit deutschen Übertiteln

Don Juans unstillbarer Lebenshunger, seine sexuelle Hyperaktivität und strotzende Vitalität sind legendär. Ebenso, dass er mit vielen Frauen kompromisslos und in völliger Hingabe den Augenblick genießt. In Mozarts Oper DON GIOVANNI behauptet der Diener Leporello, dass sein Herr es länder- und altersübergreifend mit fast 2000 Frauen getrieben habe und dass jede Einzelne von ihm und seiner Persönlichkeit fasziniert sei. Giovannis rückhaltloser Lebensanspruch schließt seine Ablehnung ein, im Gefüge der Gesellschaft zu funktionieren und sich den gesellschaftlichen Spielregeln, Geboten und Tabus unterzuordnen. Er ignoriert sie, weil sie ihn daran hindern, so zu leben, wie er will. Aber diese anarchische Selbstverwirklichung bringt ihn in Konflikte mit dem Gesetz – gleichzeitig beginnen plötzlich die Abenteuer des spanischen Verführungskünstlers fehlzuschlagen. Als ihn der altehrwürdige Komtur im Schlafzimmer seiner Tochter Anna überrascht, tötet ihn Don Giovanni im Duell. Auch die junge Braut Zerlina – die eigentlich seinem Beuteschema perfekt entspricht – lässt sich zwar freiwillig von ihrem Bräutigam trennen, aber Giovanni dennoch nicht wirklich zum Zuge kommen. Als zudem noch seine verlassene Ehefrau Elvira auftaucht und alte Rechte einklagt, sieht sich Giovanni mit den gebündelten Konsequenzen seines Handelns konfrontiert. Beharrt er auf seinem Lebensanspruch oder ist er bereit, sich bekehren zu lassen?

Wolfgang Amadeus Mozarts Musikkomödie DON GIOVANNI setzt ein opulentes Theaterspiel voller Leidenschaften in Gang. Da wird geliebt, verheimlicht, verkleidet, verwechselt, maskiert und demaskiert – eine Art Buffo-Oper, in der die Tragik hinter den Masken hindurchscheint und die offenbart, wie sehr dieses lebenspralle Prinzip Giovannis tatsächlich zerstörerisch wirkt.

PREMIERE Samstag, 24. Februar 2018 | Großes Haus

Präsentiert von

Besetzung

Musikalische Leitung Alexander Merzyn
Regie Martin Schüler
Bühne Gundula Martin
Kostüme Susanne Suhr
Choreinstudierung Christian Möbius
Dramaturgie Dr. Carola Böhnisch
Musikalische Assistenz Frank Bernard
Musikalische Assistenz Bo-Kyoung Kim
Musikalische Assistenz Andreas Simon
Musikalische Assistenz Michelle Bernard
Chorassistenz Christian Georgi
Regieassistenz AnnaLisa Canton
Regieassistenz Martin Eitner
Don Giovanni Christian Henneberg
Donna Anna Nadja Merzyn
Donna Anna Sara Rossi Daldoss
Don Ottavio Dirk Kleinke
Donna Elvira Debra Stanley
Donna Elvira Lena Kutzner
Leporello Andreas Jäpel
Komtur Ulrich Schneider
Zerlina Mirjam Miesterfeldt
Masetto Ingo Witzke
Bauern, Diener, unterirdischer Chor, Musikanten Damen und Herren des Opernchores
Es spielt das Philharmonische Orchester.

Hinweise

  • Dauer: ca. 3 Std. mit Pause
Rezensionen
Bewertungen

Jürgen Heinrich | Der Märkische Bote | 03.03.2018

„Nicht die Morde, die Mozarts heiteres (!) Drama wie eine Klammer zu Anfang und Ende als Aufreger enthält, sondern die pure Lust wird zum Thema. Genial lässt Martin Schüler (Regie) die leidenschaftliche Ouvertüre (am Pult Evan Alexis Christ) nicht vor geschlossenem Vorhang verhallen. Vielmehr jagt sich das verbotene Paar lustvoll durch ein wirres Netz tiefroter Schals, bedroht vom Komture, dem strengen Vater dieser jungen Frau, die keinesfalls verführt wird, sondern selbst hocherotischer Motor der Leidenschaft ist. Nichts folgt hier alter Norm, alle Regeln sind durchbrochen, selbst das Schloss steht schief, aber nicht bedrohlich, eher so, als wolle es jeden Moment emporschweben – ein tolles Bühnenbild von Gundula Martin.“

Manuel Brug | www.klassiker.welt.de | 06.01.2008

„Generalmusikdirektor Evan Alexis Christ geht seinen Mozart schnell, dunkel und zwingend an. Dem langjährigen Intendanten Martin Schüler ist keinerlei Routine in seiner auf solidem Handwerk ruhenden Inszenierung anzumerken. Bei Schüler ist ‚Don Giovanni‘, einer der wenigen Mythen der Neuzeit, vor allem Theater. […] Diesen ‚Don Giovanni‘ erkennt jeder wieder, er fesselt mit seiner praktischen Pranke. Der Applaus ist begeistert, das Staatstheater Cottbus ausverkauft.“

www.klassiker.welt.de

Frank Starke | Märkische Allgemeine | 27.02.2018

„Martin Schüler hat sich am Cottbuser Staatstheater Mozarts ‚Don Giovanni‘ angenommen […]. Wobei sich der Cottbuser Intendant dem Thema im Bunde mit seinen Ausstatterinnen Gundula Martin und Susanne Suhr nicht hochdramatisch, sondern eher leichtfüßig nähert – da wird geliebt, verkleidet, verwechselt, maskiert, demaskiert, und das immer mit Augenzwinkern. Dirigent Evan Alexis Christ lässt dazu die hinreißende Mozart-Musik aufs Prächtigste erblühen. Die Kulisse, eine nach vorn gekippte barocke Fassade, zeigt allerdings auch: Die Welt ist irgendwie ins Wanken geraten. […] Es ist vor allem der Abend von Christian Henneberg. Stimmlich sicher, spielerisch souverän füllt der 32-jährige Bariton die Titelpartie mit schier überschäumender Lebenslust. Selbst wenn seine Vitalität mit dem Gesetz in Konflikt gerät. An Hennebergs Seite durchweg ebenbürtige Partner. Vorneweg Andreas Jäpel als Diener Leporello, mit seiner Hornbrille ein ordentlicher Buchhalter, treue Seele und Schlitzohr zugleich. […] Elvira (Debra Stanley), die mit zwei Rollkoffern, Beautycase und Bettzeug auftritt, hat das Hochzeitsbild dabei – als Beweis, dass sie die rechtmäßige Gattin Don Giovannis ist. Doch während sie wie Donna Anna (Sara Rossi Daldoss), um die Gunst des Treulosen ringt, hat dieser längst ein Auge auf Zerlina geworfen (Liudmila Lokaichuk), ein Bauernmädchen, das sich trotz zarter Stimme als durchaus kesser Widerpart erweist. […] Am Ende viel Beifall für einen so musikalisch ausgewogenen wie intelligent-anregenden Opernabend.“

Stefan Amzoll | Lausitzer Rundschau | 27.02.2018

„In Mozarts ‚Giovanni‘- Musik ist sofort Krieg. Die Ouvertüre schreit geradezu am Anfang. […] Martin Schüler […] lässt den Komtur in Generals­uniform von der Loge herab seinen Zorn entladen. Argwöhnisch verfolgt er, wie der umtriebige Giovanni hinter seiner Tochter Donna Anna her ist. Der General will Giovanni an den Hals, fordert ihn mit dem Degen heraus und stirbt bei dem Gefecht. Das ist der Springpunkt aller folgenden erotischen Reibereien. […] Giovannis Flucht ist gefährliche Odyssee und zugleich Vorgang der Lust auf neue Abenteuer. Christian Henneberg entpuppt sich sofort als Idealtypus der Rolle. Dynamo des Suchens und Findens ist er, kreisender Habicht, der im geeigneten Moment seine Beute zu fassen kriegt. Ständig muss er die Kleider  wechseln, um nicht erkannt zu werden. Henneberg spielt nicht nur den Weiberhelden, er beseelt den Draufgänger genauso als Figur der Freiheit. […] Groß aufgemacht, wie es sich gehört, die Ball-Szene. Die Musik ist hier besonders vertrackt, denn sie schichtet drei verschiedene Tanzweisen übereinander. Kein Problem für die Musiker des Philharmonischen Orchesters unter dem umsichtigen Evan Alexis Christ, solche Tücken zu bewältigen. Mit dem Chor im Zentrum öffnet die Szene den Blick in eine Gesellschaft, die aller Freiheitsbestrebung Feind ist. Der schwarz gewandete, mächtig intonierende Chor (Einstudierung Christian Möbius) wirkt wie eine undurchdringliche Wand. Glänzend gelöst auch die Schluss-Szene. […] Eine tolle Aufführung. “

Link zur vollständigen Rezension

Paul Quast | 26. Juni 2018 um 7:44 Uhr

Die Überraschung (Aufführung am 02.04.2018) war perfekt. Auf der Reeperbahn hatte ich Don Giovanni nicht erwartet. Und ich wüsste gern, ob GMD Christ die Zuhälterpfiffe nicht hätte von Anfang an untersagen sollen. Alle Mitwirkenden habe ich bewundert; sie haben "trotzdem" Mozart dirigiert, gesungen und gespielt. Die unvergessliche Zauberflöte in Cottbus war insoweit noch intensiver; da ist auch die Musik durch die Inszenierung erschlagen worden.

Verfasst am Dienstag, dem 03.04.2018 um 19:54 Uhr

Karin Hofrichter | 26. Juni 2018 um 7:42 Uhr

DANKE! Das möchte ich zum Opernabend am 11.05.18 einfach mal sagen. Danke für das hervorragende Ensemble, einschließlich Chor und Orchester. Danke dem Dirigenten, der Bühnenbildnerin für die Kostümierung, den Mitarbeitern, die nicht im Rampenlicht stehen. Gerne ergriff ich symbolisch die Hand, die mich ins musikalische Schloss des D.G. entführte. Sah vom Parkett aus die vergeblichen Bemühungen des etwas gehetzt wirkenden Lebemannes, wenigstens eine der 2 Damen in die Horizontale zu kriegen. Die eigene Ehefrau wollte er ja nicht. Schickes, wechselndes Outfit. Danke auch dafür, dass D.G. die Hosen nicht runterlassen mußte bei dem eindeutigem Thema. Die kleinen heutigen Regieeinfälle (Pfiffe, Kokain, Cindy aus Marzahn) schätze ich sehr an M. Schülers Inszenierungen. Und dann die Besetzung: der riesige Masetto und die zierliche Zerlina, der eher linkisch wirkende Ottavio und die wunderschöne Donna Anna., die ihren Vater mehr liebt als diesen virilen Mann und ihn tot sehen will, was ja am Ende auch geschieht. Die Entkleidungsszene von Zerlina an ihrem großen Gatten ließ mich glucksend lachen. Zum Glück wurde es nicht peinlich nackig. Schön fand ich auch die bespielte Ouvertüre. Da konnte man schon mal ein Auge auf die Hauptdarsteller werfen... Zu den vielen Dankeschöns hätte ich noch eine Bitte an die verantwortlichen Theaterleiter und Politiker: Macht nicht das Gleiche wie in Berlin mit dem BE und der Volksbühne. Erhaltet die künstlerische Qualität der Cottbusser Bühne. Nicht das am Ende nur noch Klamauk- und Boulevardtheater übrig bleibt.

Verfasst am Samstag, dem 12.05.2018 um 20:42 Uhr
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