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Schauspiel

Kabale und Liebe

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Schauspiel nach Friedrich Schiller

Ferdinand liebt Luise – glühend und auf die Erfüllung seines individuellen Glücks hoffend. Auch Luise liebt Ferdinand. Überschwänglich, doch weniger naiv. Denn Ferdinand ist der Sohn des Präsidenten von Walther und somit adelig, Luise jedoch ist „bloß“ die Tochter eines bürgerlichen Musikus’. Was in unserer heutigen Welt – einhundert Jahre nach der offiziellen Abschaffung des Adels in Deutschland – kein Problem mehr darstellt, war zu Schillers Zeiten noch eine gelebte Provokation. Mehr als das: Schiller führt in seinem stürmisch-drängenden Drama exemplarisch vor Augen, wie die Liebe eines jugendlichen Paares in einer Gesellschaft, in der sich das persönliche Gefühl, der Verstand und die Ideale des Humanismus einem absolutistischen System unterordnen müssen, zur unlebbaren Utopie gerät und mit allen Mitteln der höfischen Intrige grausam bekämpft wird. Als einzigen Ausweg sieht Ferdinand nur den Freitod. Was für eine tragische Geschichte!

In den vergangenen Jahren setzte sich Jo Fabian in mehreren Inszenierungen klassischer Stoffe mit Themen auseinander, die sich besonders an ein jugendliches Publikum wenden. Nach einer Inszenierung von Friedrich Schillers KABALE UND LIEBE am Mülheimer Theater an der Ruhr beschäftigt sich Jo Fabian ein weiteres Mal mit dem berühmten Sturm-und-Drang-Drama.

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PREMIERE Samstag, 13. Oktober 2018 | Kammerbühne

Besetzung

Regie/Bühne/Kostüme Jo Fabian
Kostüme Katharina Lautsch
Dramaturgie Wiebke Rüter
Regieassistenz Romy Schwarzer
Luise Sophie Bock
Millerin Michaela Winterstein
Miller Matthias Horn
Ferdinand Boris Schwiebert
Präsident von Walter Thomas Schweiberer
Wurm Amadeus Gollner
Lady Milford Annegret Thiemann

Hinweise

  • Dauer: ca. 1:40 Std. ohne Pause
Rezensionen

Renate Marschall  | Lausitzer Rundschau  | 15.10.2018

Eine solche Inszenierung, noch mehr als andere, lebt von Schauspielern, die sich ganz dreingeben, ein intelligentes Rollenverständnis haben und unbändige Spiellust. Alles massenhaft vorhanden. Die Zuschauer erlebten einen überragenden Boris Schwiebert als Ferdinand, mit der variantenreich agierenden Sophie Bock als Luise, eine in vielem moderne junge Frau. Thomas Weiberer spielte den Präsidenten mit ebenso viel dämlicher Blasiertheit wie Verschlagenheit, assistiert von Wurm, den Amadeus Gollner als typischen ‚Radfahrer‘ charakterisierte – nach oben buckeln, nach unten treten. Matthias Horn und Michaela Winterstein waren die besorgten Eltern mit Emanzipationsversuchen gegen die adlige Willkür – noch unterlegen, bald aber nicht mehr. Annegret Thiemann, die die Lady Milford gibt, hat ihren stärksten Auftritt, als sie ihre Rolle verlässt und sich darüber mokiert, dass die einzige politische Szene einfach rausgestrichen wurde.“ 

Link zur vollständigen Rezension

Oliver Kranz | Kulturradio vom rbb | 15.10.2018

„Die Kostüme verweisen aufs Rokoko, im Verhalten der Figuren ist sehr viel Heutiges zu erkennen. Ferdinand trägt eine punkig zerzauste Perücke, er hat ein weiß geschminktes Gesicht und schwarz umrandete Augen, wodurch er wie ein Gruftie wirkt. Boris Schwiebert, der den jungen Helden spielt, trägt teenagerhafte Coolness zur Schau. Bei Jo Fabian müssen Haltungen vorgezeigt und nicht naturalistisch erspielt werden – und das gelingt auch den anderen Darstellern perfekt. Sophie Bock als Luise strahlt Ferdinand an, wird aber zur Furie, als ihr ihre Eltern den Umgang mit dem Geliebten verbieten wollen. Da kreischt sie in den schrillsten Tönen, stellt sich an den Rand des Podests und droht hinabzuspringen – und ihr Papa lenkt sofort ein. Jo Fabian hat ganz nebenbei auch eine heutige Eltern-Kind-Beziehung auf die Bühne gebracht.“

Uwe Stiehler  | Märkische Oderzeitung | 15.10.2018

„Sehen Sie, Herr Schiller, Standesgrenzen waren gestern. Heute ist alles cool. Sorry, aber Ihr Stück gehört in die Mottenkiste. Aus der hat es Jo Fabian nun wieder rausgeholt, hat ihm den Staub aus den Zeilen geklopft, das Drama als dolle Nummer am Staatstheater Cottbus inszeniert und Schiller mit den infernalischen Gesängen von Rammstein gemixt. […] Jo Fabians Interpretation wird polarisieren. Entweder liebt man seine freche Neuformatierung des Klassikers – oder man ist entsetzt darüber, wie er eines der besten Liebesdramen der Literaturgeschichte zerhackt. Wer nicht entrüstet aus dem Theater rennt, erlebt, wie amüsant Fabian sein Personal durch das Drama führt, das sich zum absurden Theater wandelt. Es wird unterhaltsam, sarkastisch, witzig auch, jawohl, Herr Schiller.“

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