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Gastspiele

Lausitzer Quartiere oder Der Russe im Keller

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Schauspiel von Ralph Oehme

Die Lausitz zwischen Spreewald und Lustiger Gebirge teilt sich in zwei landschaftlich völlig unterschiedliche Gebiete. Auch historisch haben Ober- und Niederlausitz – die „Lausitzen“ – unterschiedliche Entwicklungen genommen. Nichtsdestotrotz, so der Intendant des Bautzener Theaters Lutz Hillmann, sei die Lausitz „kulturelles Sondergebiet“, dem auf den Bühnen der drei Lausitzer Theater, der Neuen Bühne Senftenberg, dem Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen und dem Staatstheater Cottbus, mehr Raum gegeben werden soll. Die Intendanten der drei Häuser riefen deshalb 2016 einen Stückewettbewerb ins Leben und konnten 2017 zum ersten Mal einen Preisträger für den gut dotierten „Lausitzen“ auswählen. Ralph Oehme heißt der Sieger; sein Stück  LAUSITZER QUARTIERE oder DER RUSSE IM KELLER wurde 2018 in Bautzen uraufgeführt. Und während die „Lausitzen“-Jury um Harald Müller, den Verlagsleiter von „Theater der Zeit“, bereits den zweiten Preisträger kürte (Oliver Bukowski für DER SOHN), spielt das Bautzener Ensemble das Stück erstmals am 28.3. – in Cottbus!

Ralph Oehme zeigt in einem „historischen Bilderbogen“ Geschichten um eine Weberfamilie zwischen den Napoleonischen Kriegen am Anfang des 19. Jahrhunderts und der Deutscher Wiedervereinigung 1990. Er beginnt mit der Teilung der Lausitz nach dem Wiener Kongress 1814/1815, geht ein Jahrhundert nach vorn in die Umbrüche nach dem 1. Weltkrieg, in dem auch Rufe nach einer „freien sorbischen Republik“ laut wurden, nimmt auf die Teilung von Görlitz nach 1945 Bezug und zeigt den Untergang der Lausitzer Textilindustrie nach 1990. Die Lausitzer Weber „werkeln“ an den Dreh- und Angelpunkten dieser knapp 200 Jahre an ihren Träumen. Technische Innovationen, die das Weben vom häuslichen Handwerk zur industriellen Massenproduktion führten, verändern ihr Leben. Und immer wieder landet ein Russe in ihrem Keller: auf der Flucht, auf der Suche nach Schutz, Liebe, Wodka …

Dieser Russe, so Lutz Hillmann, sei „der Leim, den der Autor Ralph Oehme zwischen die Episoden, die er über zwei Jahrhunderte verstreut, geschmiert hat, das verbindende Element sozusagen, das letztendlich symbolisiert, das russische Geschichte großen Einfluss auf die Ober- und Niederlausitz genommen hat.“

Zu sehen sind die „Lausitzer Quartiere“ in der Inszenierung von Lutz Hillmann mit dem Bautzener Ensemble am 28.3. und am 13.4 im Großen Haus. Der Apriltermin ist ein Theatertag: die Tickets kosten auf allen Plätzen im Großen Haus 10 €. Theaterabonnenten des Staatstheaters Cottbus erhalten freien Eintritt zu einer der Aufführungen. Karten ab sofort unter www.staatstheater-cottbus.de, im Besucherservice und an allen CTS-Vorverkaufsstellen.

„Kraftvolle Schauspieler wie Marian Bulang (sehr überzeugend als Russe) und Gabriele Rothmann (spielt die Figur der Mutter mit sehr couragiertem Temperament) sowie Thomas Ziesch (in drei Nebenrollen agierend) setzen mit ihren Figuren Akzente.“ Rainer Könen, Sächsische Zeitung

Besetzung

Regie Lutz Hillmann
Bühne/Kostüme Miroslaw Nowotny
Musik Jahn Heinke
Dramaturgie Eveline Günther
Wassermann István Kobjela
Milan Ralph Hensel
Der Russe Marian Bulang
Tochter Cordula Hanns
Weber/Vater Olaf Hais
Weberin/Mutter Gabriele Rothmann
Franzose 1/Matrose/Soldat/Orchester1 Richard Koppermann
Franzose 2/Bauer/Soldat/Orchester2 Erik Dolata
Franzose 3/Offizier/Orchester3 Thomas Ziesch

Hinweise

Der Autor Ralph Oehme
Ralph Oehme wurde 1954 in Geithain/Sachsen geboren. Er studierte von 1975-1980 Theaterwissenschaft in Leipzig. In den Jahren 1984-1987 war er als Schau­spielpädagoge in Leipzig tätig Von 1986-1989 leitete Ralph Oehme das Kammer­musiktheaters Leipzig und ist seit 1987 als freiberuflicher Schriftsteller und Regisseur tätig. Im Jahr 1990 erhielt er den Hörspielpreis der Kriegsblinden für „Stille Helden siegen selten“. In den Jahren 1997, 2006, 2009 war er Literaturstipendiat des Landes Sachsen, 1997 der Stadt Leipzig. Im Jahr 2012 erhielt er den Linzer Dramatiker­preis. Ralph Oehme und das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen pflegen seit 1995 eine enge Partnerschaft. Immer wieder schrieb er für Bautzen Auftragswerke, u. a. „Das Volks­stück von Johannes Karasek, dem Schrecken der Oberlausitz“ (3 x für den Bautzener Theatersommer inszeniert), „Der sa­genhafte Krabat“, „Das Leinölkomplott“, „Schwarze Pest und Gelbes Elend“, „Senf für Bonaparte“, „Der Rietschelgiebel – Die kleine Orestie“. Im Januar 2017 wurde Ralph Oehme von einer Jury für seine Stückidee „Lausitzer Quartiere oder Der Russe im Keller“ zum Preisträger des Stückewettbewerbs „Lausit­zen 2017“ gekürt. Bei allen Inszenierungen der Oehme Stücke in Bautzen führte Intendant Lutz Hillmann Regie.

Jan Heinke
Jan Heinke baut Klangskulpturen und Musikinstrumente aus Stahl, gründete das Stahlquartett, studierte Saxophon, erforscht und entwickelt seit 30 Jahren die musikalischen Möglichkeiten der menschlichen Stimme, vor allem des westlichen Obertongesangs und erfreut sich einer Sammlung verschiedenster Blasinstrumente aus aller Welt. Meist reist Heinke mit einem von ihm selbst entwickelten, Stahlcello genannten Streichinstrument, einer Art Zeitlupe für Klang. Er arbeitet europaweit für Projekte mit Jazz, klassischer, Welt-, alter, zeitgenössischer, elektronischer Musik in Produktionen für Theater, Tanz, Oper, Zirkus, Film, Galerien, Funk und Festivals, oft zusammen mit Chören, Bands, Orgeln, Bahnhöfen, Streichquartett, Stadtklängen, Computern, Spieldosen, Militärparaden, Schrottplätzen, Vögeln, Tur­binen, Orchestern, Ozeandampfern, Musikmaschinen …

  • Dauer: ca. 2.45 Std. mit Pause
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