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Verleihung der Max-Grünebaum-Preise 2022

25-­jähriges Jubiläum der Max Grünebaum­-Stiftung

Am 06. Nov. 2022 beging die Max Grünebaum-Stiftung ihr 25-jähriges Jubiläum mit einem Festakt im Großen Haus des Staatstheater Cottbus.

Die Geschichte der Max Grünebaum- Stiftung ist ein beeindruckendes Zeugnis der Versöhnung.

Max Grünebaum lebte von 1851 bis 1925 in Cottbus. Er war ein geachteter Bürger der Stadt Cottbus, der sowohl in seinem Unternehmen als Tuchfabrikant als auch in der Stadtpolitik erfolgreich arbeitete und überaus sozial handelte. Nachdem 1933 die Nationalsozialisten an die Macht kamen, wurden seine Ehefrau, seine Kinder und Enkelkinder als jüdische Mitbürger*innen ihrer Rechte beraubt, diskriminiert und enteignet. Sie flohen aus Deutschland und fanden in England einen Neuanfang. Die tiefen Wunden aus der Vergangenheit blieben dennoch. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands konnten die Erben Max Grünebaums Ansprüche auf ihr geraubtes Vermögen geltend machen. Trotz der Vertreibung aus Deutschland entschlossen sich die vier Erben Max Grünebaums, mit einem Teil dieser Entschädigung in erheblicher Größenordnung eine Stiftung zu gründen. Mit der Auszeichnung junger Künstler*innen und später auch Wissenschaftler*innen sollten herausragende Leistungen gewürdigt und Brücken der Völkerverständigung zwischen England und Deutschland gebaut werden. Im Andenken an ihren Großvater gaben sie der Stiftung den Namen Max Grünebaum.

Diese Stiftung wurde am 01. Jun. 1997 in der Öffentlichkeit vorgestellt. Am 12. Okt. 1997 fand die erste Verleihung der Max-Grünebaum-Preise im Staatstheater Cottbus statt. Die feierliche Preisverleihung ist seitdem jedes Jahr ein emotionaler Höhepunkt im kulturellen und wissenschaftlichen Leben der Stadt. Die Auszeichnung mit dem Max-Grünebaum-Preis schmückt zahlreiche Biografien und der Name Max Grünebaum wurde gemeinsam mit den Preisträgern aus Cottbus ins Land und in die Welt getragen.

 

Die Preisträgerinnen 2022

Max-Grünebaum-Preisträgerin 2022 des Staatstheater Cottbus ist die Sopranistin Ketevan Chuntishvili. Die Mitarbeiterin Social Media Annalena Hänsel vom Staatstheater Cottbus erhält den Karl-Newman-Förderpreis 2022.

Der Max-Grünebaum-Preis der BTU Cottbus-Senftenberg geht in diesem Jahr an Dr. phil. Clara Rellensmann. Den Ernst-Frank-Förderpreis für ein Praktikum in England erhält die Studentin Thi My Linh Nguyen. Der Max-Grünebaum-Preis ist mit jeweils 5.000 Euro dotiert, der Förderpreis mit 3.500 Euro. Der Förderpreis für das Staatstheater finanziert eine Theaterreise nach London und der Förderpreis für die BTU einen Studienaufenthalt im Ausland, vorzugsweise in England.

Die Stiftung zeichnet seit 25 Jahren jährlich hervorragende junge Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und besonders engagierte Mitarbeiter*innen beider Institutionen aus und setzt damit ein Zeichen für Verständigung und Wertschätzung. Die Geschichte der Max Grünebaum-Stiftung ist ein beeindruckendes Zeugnis der Versöhnung, die damit verbundene alljährliche feierliche Preisverleihung ein emotionaler Höhepunkt im kulturellen und wissenschaftlichen Leben der Stadt Cottbus. Mit ihren vielen Preisträger*innen strahlt sie inzwischen weit über die Grenzen von Cottbus hinaus.

(v.l.n.r.: Annalena Hänsel, Ketevan Chuntishvili, Thi My Linh Nguyen, Dr. phil. Clara Rellensmann)

 

 

 

 

 

 

 

Preisträgerinnen des Staatstheater Cottbus

Max-Grünebaum-Preis 2022
Die Sopranistin Ketevan Chuntishvili erhielt den Max-Grünebaum-Preis 2022. Seit der Spielzeit 20.21 ist sie Ensemblemitglied am Staatstheater Cottbus. Ketevan Chuntishvili wurde 1996 in Georgien geboren und studierte an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover. Ihr Operndebüt gab sie im September 2020 am Stadttheater Klagenfurt, wo sie als 5. Magd in Cesare Lievis Neuinszenierung von Strauss‘ „Elektra“ auf der Bühne stand. Die für das Kunstlied begeisterte Sopranistin war 2020 und 2021 Stipendiatin der Lied-Akademie des Internationalen Musikfestivals Heidelberger Frühling und trat in diesem Rahmen regelmäßig im Pierre-Boulez-Saal in Berlin auf. Auch in Cottbus hat sie im Rahmen der Reihe „Im Grünen Salon“ im Schloss Branitz einen herausragenden Liederabend gestaltet. Ketevan Chuntishvili arbeitete mit Klangkörpern wie dem Georgischen Kammerorchester Ingolstadt, dem Kärntner Sinfonieorchester, dem Philharmonischen Orchester des Staatstheaters Cottbus und dem Philharmonischen Orchester Erfurt zusammen. Die Sängerin wurde unter anderem mit einem „Deutschlandstipendium” und vom „Yehudi Menuhin Live Music Now Hannover e.V.” gefördert. Beim 12. Internationalen Gesangswettbewerb Immling gewann die Sopranistin den 2. Preis und den Publikumspreis. Außerdem war sie Finalistin bei der internationalen Hans Gabor Belvedere-Competition.

Sie gewann den 2. Preis (1. Preis wurde nicht vergeben) und den Mozart-Preis beim 19. Internationalen Gesangswettbewerb Ada Sari in Nowy Sącz, Polen. Am Staatstheater Cottbus hat sich Ketevan Chuntishvili in kürzester Zeit zu einem zentralen Mitglied des Musiktheater-Ensembles entwickelt. Im Zuge der Probenarbeit zu einer Neubearbeitung von Monteverdis L’ORFEO, in der sie als Euridice eine der zwei Hauptrollen übernahm, hat die Sopranistin stimmlich und darstellerisch ihr beachtliches Potenzial un-ter Beweis gestellt und der Figur Kraft, Wärme und Leben geschenkt. Als Susanna in Mozarts LE NOZZE DI FIGARO konnte sie mit großer Leichtigkeit und Spielfreude ihr komödiantisches Talent entfalten, während sie mit der Rolle der Roxane in KRÓL ROGER den Schritt ins lyrisch-dramatische Fach ging. Auch hier besticht sie durch ihre farbenreiche musikalische Gestaltung und ihr natürliches Spiel. Zum Ende der Spielzeit 21.22 gab sie ihr Debüt als Micaëla in Bizets CARMEN. In der aktuellen Saison wurde sie als Musetta in LA BOHÈME gefeiert und wird die Pamina in Mozarts ZAUBERFLÖTE interpretieren. Mit ihren Auftritten überzeugt und begeistert Ketevan Chuntishvili Publikum und Fachpresse in Cottbus und bei Gastierungen an anderen Häu-sern. Die diesjährige Auszeichnung der Künstlerin entspricht ganz dem Gedanken der Max Grünebaum-Stiftung, herausragende junge Talente in ihrer Arbeit zu bestätigen und zu fördern.

Karl-Newman-Förderpreis 2022
Annalena Hänsel, Mitarbeiterin PR/Marketing, Schwerpunkt Social Media am Staatstheater Cottbus, wurde mit dem Karl-Newman-Förderpreis ausgezeichnet. Annalena Hänsel, 1997 in Forst geboren, studierte nach ihrem Abitur Kulturwissenschaften an der Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder). Im Zuge dieses Bachelor-Studiums absolvierte sie 2018 ein dreimonatiges Praktikum in der Abteilung Kommunikation und Marketing am Staatstheater Cottbus. Hauptsächlich zur Unterstützung der Pressearbeit eingesetzt, arbeitete sie sich in Eigeninitiative zusätzlich in andere Bereiche der Abteilung ein – vor allem in jene, die die digitalen Medien betrafen. Schnell betreute sie den in der Zeit noch neuen Auftritt des Staatstheaters auf den Plattformen Instagram und Facebook. Nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelor-Studium trat sie im Februar 2019 ihre Stelle als „Mitarbeiterin Social Media“ am Staatstheater Cottbus an – eine Position, die es hier bis dahin nicht gegeben hatte. So baute die damals erst 21-Jährige diesen – für die Außenkommunikation eines Theaters unverzichtbaren – Bereich in Eigenverantwortung ebenso auf wie aus und leistete damit Pionierarbeit. Berufsbegleitend absolvierte sie ihr Masterstudium in „Kulturmanagement und Kulturtourismus“ in Frankfurt (Oder) und wählte das Thema ihrer Masterarbeit mit dem Schwerpunkt Social Media: „Influencer Kommunikation“. Annalena Hänsel vereint in allerbestem Sinne die klassischen Kernkompetenzen für PR/Marketing mit einem sicheren Gespür für die Nutzung der neuen Medien. Sie findet den richtigen Ton für verschiedene Zuschauerschichten und setzt ihre Kreativität optimal ein, um Freiräume mit eigenen Ideen zu füllen. Während ihrer bisherigen Arbeit etablierte sie strukturell einen bis dahin neuen Teilbereich im Marketing des Staatstheaters.

In Zusammenarbeit mit ihren Kolleg*innen und den Künstler*innen am Haus entwickelt sie regelmäßig kleine Kampagnen, welche gleichzeitig sowohl auf die einzelnen Produktionen als auch auf die Zielgruppen der unterschiedlichen digitalen Kanäle abgestimmt sind. Die Relevanz ihrer Arbeit trat vor allem im Zuge der Corona-Pandemie zu Tage, als die digitale Bühne für lange Zeit nahezu die einzige zu bespielende war. Als das Theater pandemiebedingt in der Außenwahrnehmung in einen „Dornröschenschlaf“ zu fallen drohte, sorgte sie mit tatkräftiger Unterstützung ihrer Kolleg*innen dafür, die lebendigen Momente hinter den verschlossenen Theatertüren über digitale Kanäle sichtbar zu machen und den Künstler*innen eine Plattform zu bieten. Auf ihre Initiative erobert sich das Theater seit der Spielzeit 22.23 mit dem Audio-Format „Momentaufnahme – Podcast des Staatstheater Cottbus“ ein weiteres digitales Mittel.

Preisträgerinnen der BTU Cottbus–Senftenberg

Max-Grünebaum-Preis 2022
Der Max-Grünebaum-Preis der BTU Cottbus-Senftenberg für herausragende wissenschaftliche Leistungen ging in diesem Jahr an Dr. phil. Clara Rellensmann. Clara Rellensmann hat im Februar 2022 ihre Dissertation mit dem Titel „Appropriating Sacred Spaces: An Investigation of Bagan’s Transformed Landscape“ verteidigt und dafür das Prädikat summa cum laude erhalten. In ihrer Dissertation beschäftigt sich Clara Rellensmann eingehend mit der seit 2019 als UNESCO-Welterbe eingetragenen Tempellandschaft von Bagan in Myanmar. Diese analysiert sie nicht allein hinsichtlich deren künstlerischen, archäologischen oder historischen Qualitäten. Vielmehr stellt Clara Rellensmann sie als ein hochkomplexes und aussagekräftiges Beispiel für die ideologische Transformation, Nutzung und missbräuchliche Aneignung dieses bedeutenden Ortes für die politischen Zwecke eines autoritären Regimes vor. Das Militär initiierte mit seiner Machtübernahme 1988 ein umfangreiches Rekonstruktionsprogramm von Sakralbauten an diesem Ort höchster historischer Wirkmacht. Die UNESCO akzeptierte die dafür von Myanmar vorgetragene Begründung, es handele sich um Wiederbelebung religiöser Tradition. Dabei übersah sie, dass es dem Regime in erster Linie darum gegangen war, sich Legitimität über die religiösen und historischen Konnotationen dieser Bauten zu verschaffen.

Clara Rellensmann untersucht diesen Prozess in ihrer Arbeit ganzheitlich. Mit ihrer klugen, differenzierten und stets auch diplomatischen Analyse des Ortes und seines vielschichtigen Kontextes hat Clara Rellensmann einen wichtigen Beitrag zur aktuellen Diskussion darüber vorgelegt, worin eigentlich die Werte von Heritage bestehen und wie diese in unterschiedlichen Kulturkreisen der Welt gesehen werden. Dabei kann sie auf die langjährigen Erfahrungen ihrer Arbeit für die UNESCO in Südostasien aufbauen, die Clara Rellensmann nach ihrem Masterabschluss im Studiengang World Heritage Studies an der BTU geleistet hat. Eine lange Liste an Publikationen gibt einen Überblick über die enorme Bandbreite und Tiefe ihrer Forschungen. Eine besondere Würdigung erfuhr sie unter anderem, als sie 2017 in New Delhi für eine Amtszeit von drei Jahren in den Vorstand von ICOMOS International gewählt wurde. Das International Council of Monuments and Sites ist die Welterbe-Beraterorganisation der UNESCO und mit rund 10.000 Mitgliedern weltweit aktiv. Neben ihrer akademischen Arbeit engagiert sich Clara Rellensmann interkulturell. Sie organisierte und leitete Summer Schools für Studierende aus Myanmar und der BTU. Bis heute unterstützt sie eine Gruppe von Studierenden aus Myanmar, die nach Deutschland kommen konnten, um an der BTU ihr Architekturstudium fortzusetzen. Clara Rellensmann ist außerdem Gründungsmitglied von Haus Döschnitz e.V., einem Verein, der seit Anfang 2020 ein historisches Fachwerkhaus in Thüringen denkmalgerecht saniert und für Studienzwecke nutzbar macht. Nach ihrer Promotion steht sie nun am Anfang eines Habilitationsprojektes.

Ernst-Frank-Förderpreis 2022
Die Preisträgerin des diesjährigen Ernst-Frank-Förderpreises der BTU Cottbus-Senftenberg heißt Thi My Linh Nguyen. Sie ist eine gleichermaßen begabte wie engagierte Studentin im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen an der BTU Cottbus-Senftenberg. Sie gehört zu den leistungsstärksten Studierenden ihres Jahrgangs. Als sehr kommunikative, ehrgeizige und weltoffene junge Frau setzt Thi My Linh Nguyen ihr Know-how gezielt ein, um sich weiterzuentwickeln und andere zu unterstützen – im Studium, in ihrer Tätigkeit als Tutorin im Fach Mathematik. Als wissenschaftliche Hilfskraft an den Lehrstühlen Flug-/Triebwerksdesign und Qualitätsmanagement setzte sie Studienkenntnisse in die Praxis um. Das Stipendium des Ernst-Frank-Förderpreises bietet Thi My Linh Nguyen die Möglichkeit, ihre Kenntnisse im Rahmen eines Praktikums in England zu erweitern.

Seit April 2022 ist sie Mitglied des Verbands Deutscher Wirtschaftsingenieure e.V. (VWI) – dem Bundesverband für Studierende und Alumni von Studiengängen des Wirtschaftsingenieurwesens. Bereits seit 2020 engagiert sich Thi My Linh Nguyen in ihrer Fakultät als stellvertretende dezentrale Gleichstellungsbeauftragte. Als beratendes Mitglied im Fakultätsrat unterstützte sie bis September 2022 in Berufungskommissionen und Bewerbungsgesprächen. Zudem beteiligte sie sich an der Entwicklung eines Gleichstellungskonzepts für die BTU, insbesondere zur Förderung von Nachwuchswissenschaftlerinnen.

 

www.max-gruenebaum-stiftung.de

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