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Schauspiel

Onkel Wanja

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Nominiert für den Theaterpreis DER FAUST 2018

Schauspiel von Anton Tschechow

Deutsch von Angela Schanelec nach einer Übersetzung von Arina Nestieva

Jahrelang kümmerte sich Onkel Wanja mit seiner Nichte Sonja hart arbeitend um das Landgut seiner verstorbenen Schwester. Jede Kopeke wurde aufgespart für seinen Schwager, den Professor Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow, der sich in der Stadt der Karriere widmete und als große Hoffnung galt. Nun ist Serebrjakow im Ruhestand und hat sich aus finanziellen Gründen mit seiner jungen zweiten Frau Jelena Andrejewna auf dem Landgut niedergelassen. Doch er entlarvt sich als ein unzufriedener Tyrann, dessen vermeintliche wissenschaftliche Leistungen ohne die geringste Nachhaltigkeit sind. Onkel Wanja bedauert zutiefst, sein Leben sinnlos aufgeopfert zu haben, und schwärmt für Jelena Andrejewna. Diese aber fühlt sich zu dem befreundeten Arzt Michaíl Lwowitsch Astrow, einem ökologischen Visionär und begeisterten Fan der russischen Wälder, hingezogen und er zu ihr. Ganz zu Sonjas Leidwesen, die wiederum insgeheim in Astrow verliebt ist. Für Augenblicke gibt jeder von ihnen der Vision eines imaginären anderen Lebens Raum. Bis Onkel Wanja in Astrow den Konkurrenten erkennt und Serebrjakow das Landgut verkaufen will. Da kommt es beinahe zur Katastrophe.

ONKEL WANJA von Anton Tschechow (1860-1904) wurde 1899 im Moskauer Künstlertheater uraufgeführt. Schauspieldirektor Jo Fabian setzt sich zu diesem tragikomischen Meisterwerk mit der ihm eigenen bildhaften und assoziativen Theatersprache ins Verhältnis.

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PREMIERE Samstag, 4. November 2017 | Großes Haus

Präsentiert von

Besetzung

Regie Jo Fabian
Bühne/Kostüme Pascale Arndtz
Dramaturgie Jan Kauenhowen
Regieassistenz Lukas Pohlmann
Alexander Wladimirowitsch Serebrjakow Thomas Harms
Jelena Andrejewna Lisa Schützenberger
Sofja Alexandrowna (Sonja) Lucie Thiede
Maria Wassiljewna Wojnizkaja Sigrun Fischer
Iwan Petrowitsch Wojnizkij (Wanja) Axel Strothmann
Michail Lwowitsch Astrow Gunnar Golkowski
Ilja Iljitsch Telegin Amadeus Gollner
Marina Michaela Winterstein
Tänzerin AnnaLisa Canton
Tänzerin Mandy Krügel
Pianist Hans Petith

Hinweise

  • Dauer: ca 2:45 Std. mit Pause
Rezensionen
Bewertungen

Stephanie Lubasch | Märkische Oderzeitung | 06.11.2017

„Nein, hier wird keine Authentizität behauptet – hier wird der Zustand einer Gesellschaft illustriert, auf den das Publikum selbst sich einen Reim machen soll. Hintersinnig ist das, sinnlich auch, ein bisschen melancholisch, überraschenderweise aber streckenweise auch zum Brüllen komisch – und getragen von einem ungemein präzise und fein miteinander arbeitenden Ensemble, dem das Publikum am Ende ebenso wie dem Inszenierungsteam mit tosendem Applaus dankt.“

Renate Marschall, , 6.11.2017 | Lausitzer Rundschau | 06.11.2017

„Sonst überwiegt ja oft das Dramatische, hängt die Schwermut der russischen Seele über allem. Nicht so in Cottbus. Jede einzelne Figur hat wohl an ihr zu tragen, aber eher, was ihr Innenleben betrifft. […] Für Jo Fabian ist Theater Experiment – auch am Zuschauer, der bei ihm Teil der Inszenierung ist. […] Theater zu machen wie Jo Fabian, funktioniert nur mit Schauspielern, die ihr Handwerk meisterlich beherrschen. Allen, die an diesem Abend auf der Bühne standen, ist das zu bescheinigen.“

Peter Claus | Kulturradio vom rbb | 06.11.2017

„Die Intelligenz in der Spiegelung einer diffusen Lebensangst, viele exzellente Schauspiel-Momente, die spürbare Lust des Ensembles, gemeinsam mit Jo Fabian zu neuen Ufern aufzubrechen, all das ist überaus anregend.“

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Frank Starke | nachtkritik.de | 05.11.2017

„Am Cottbuser Staatstheater wird ‚Onkel Wanja‘ in der Regie des neuen Schauspieldirektors Jo Fabian gespielt. Man klammert sich dabei nicht an den Text, sondern spielt vielmehr ein Nachdenken über das Stück, mit einer überaus vitalen, frischen, mal ironischen, mal witzigen Sicht auf die Vorlage und ihre Figuren. […] Dabei findet Fabian beeindruckende Lösungen, um die Langeweile, den Leerlauf auf dem alten Gut irgendwo in den Weiten Russlands greifbar zu machen. […] Am Ende viel Beifall für eine bemerkenswert-lustvolle Inszenierung mit einer Wundertüte voller szenischer Einfälle.“

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Detlev Baur | Die deutsche Bühne | 05.11.2017

„Selten gab es bei einer Tschechow-Inszenierung so viel zu lachen – und mitzuleiden, gerade weil sie nicht Tschechows Figuren nachbilden will, sondern mit Hilfe der Textvorlage ein überzeugendes Gesellschaftsporträt zeichnet. […] Ein großer Theaterabend.“

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Susanne Wuttge | 27. Dezember 2017 um 12:35 Uhr

Ich habe die Beiträge leider nicht vor dem Kartenkauf gelesen. Wir haben uns mit Mühe zur Pause gequält, meist peinlich berührt. Gute Ideen, schöne Farben, schone Bilder, wie man es von Jo Fabian kennt und mag. - Vorfreude! Aber dann so ein sprachlicher Käse, viel zu laut und viel zu viel von allem. Schlimm. Die Feinheiten der russischen Seele lassen sich so, meiner Meinung nach, nicht darstellen. Auch nichts gegen Herrn Fabian, aber wenn dann bitte als Schauspieler und nicht als Selbstdarsteller. Manche Weihnachtsgeschenke passen eben nicht, hier kann man bloß leider nicht umtauschen.

Klaus Gebler | 11. November 2017 um 9:42 Uhr

"Früher war mehr Lametta" jammern die einen über das Stück Onkel Wanja, "ein großer Theaterabend" befinden die anderen (siehe Rezensionen).

Warum ist das Stück für jung und alt gleichermaßen (im Wortsinne!) sehenswert? Weil es so überdurchschnittlich viel zu sehen und auch zu hören gibt. Weil man eine vor Spielfreude sprühende Schauspielertruppe erlebt, die nicht ihre Texte herunterhaspelt, sondern sie zuweilen aus der Situation heraus interpretieren und erfinden darf. Weil hier Regisseur, Schauspieler und Publikum gemeinsam einen Abend gestalten, der Vergnügen und Erkenntnis möglich macht. Nach einem schönen Theaterabend wird auch noch die Möglichkeit eines gemeinsamen Ausklanges in zwangloser Runde angeboten: Fünf Schauspieler und der Dramaturg plaudern mit dem Publikum im Foyer bei einem Glas Wein über den Abend. Und bei aller Unterschiedlichkeit der Sichtweisen wurde klar: Am Konzept hatte kaum einer zu meckern. Weil bei aller Ernsthaftigkeit des Stoffes der erhobene Zeigefinger fehlte und die scheinbar so lockere Darbietung mit ihrer Fülle von Komik (bis hin zum Slapstick) gerade die nicht sehr rosige Lebenswirklichkeit der Figuren offenlegte. Ich habe während der Vorstellung die Minen älterer und jüngerer Zuschauer beobachtet: Onkel Wanja halte ich für geeignet, auch den Altersdurchschnitt des Publikums weiter zu erhöhen.

Dr. Joachim Saretz | 8. November 2017 um 9:34 Uhr

Sehr geehrter Herr Seidel, vielen Dank für ihre Antwort auf meinen Beitrag - sowohl im Theaterforum wie auch an mich privat. Ich halte die Antwort hier im öffentlichen Theaterforum schon für richtig, soll sie doch auch Anregung zum Nachdenken für andere Besucher sein. Der Premierenabend war schon eine Herausforderung für mich. Immerhin habe ich, im Gegensatz zu einer Reihe anderer Zuschauer, bis zum Schluss durchgehalten, mit dem Ergebnis der „Glosse“(*) wie Sie es nennen. Das es nicht zur inhaltlichen Auseinandersetzung mit dem Dargebotenem reichte, lag vor allem an zwei Gründen. Zum Einen waren mir, wie geschätzt auch der Hälfte des Publikums, doch rein optisch umfassendere Einblicke in die Inszenierung durch eine nun nicht gerade publikumsfreundlichen Bühnenbildlösung verwehrt. Zum Anderen konnte durch die mangelhafte akustische Darbietung kaum ein Bezug zu inhaltlichen Problemen hergestellt werden, die ja die Grundlage einer Auseinandersetzung gewesen wären. Beide Probleme kann man nicht den Schauspielakteuren anlasten, die sich, wie in der „Glosse“ ausgeführt, redlich Mühe gegeben haben, wenigstens keine Langeweile aufkommen zu lassen. Und mit dem Regieteam über handwerkliche Grundlagen zu diskutieren, die eigentlich in den Erstsemestern eines Studiums abgeklärt sein sollten, halte ich nicht für sinnvoll. Bezüglich Ihres Angebotes für einen „2. Versuch“ bin ich daher zur Zeit wenig motiviert. Unabhängig davon gedenke ich auch weiterhin dem Theater meine Treue zu halten. Und wir sind ja erst am Beginn der „neuen Schauspielära“, wo wir sehen werden, wie sie sich entwickelt und was sie uns noch zu bieten hat. Und dann wird es vielleicht auch Inszenierungen geben, die zur inhaltlichen Auseinandersetzung anregen. In diesem Sinne: … Gutes Gelingen für Zukünftiges! (*)„Die Glosse ist die kürzeste und daher die schwerste journalistische Stilform.“ (Emil Dovifat) Mit freundlichen Grüßen Dr. Joachim Saretz

Joachim Saretz | 5. November 2017 um 15:40 Uhr

Und zum Schluss hilft nur ein Wodka …

Am Sonnabend nun die mit Spannung erwartete Premiere des neuen Schauspieldirektors im Großen Haus – „Onkel Wanja“. Der Besucher wurde von einem opulenten Bühnenbild überrascht, welches doch eher an ein Fernsehstudio als an eine Theaterbühne erinnerte. Die Hoffnung, dass die mit einer Flügeltür und diversen Durchbrüchen versehene massive Wand als Bühnenvorhang dann mal in den Schnürboden gezogen würde, verflüchtete sich schnell. Ein Kommentator erklärte die Bedeutung der Wand. Also davor das ist „draußen“ und dahinter, das ist „drinnen“. Soweit erst mal klar. „Draußen“ regnete es dann auch mal und „drinnen“ schneite es, wieso eigentlich??? Offen blieb, was war da, wo die Ziegen waren. War das nun noch „drinnen“ oder doch noch weiter dahinter, also wieder „draußen“. Sei’s drum, von meinem Platz aus konnte ich dank der massiven Wand die Ziegen ohnehin nicht sehen und auch das Angebot , meinen Platz zu wechseln, brachte nichts! Nachdem die Örtlichkeiten dermaßen geklärt waren, begann das eigentliche Schauspiel. Stimmen erklangen - hinter der Wand erst zögerlich, dann auch vor der Wand - verstärkt (vor allem auch digital, wir leben ja im modernen Zeitalter). In einem etwas undefinierbaren Pseudo-Russisch-Dialekt sprach Jeder mit Jedem oder auch mit sich Selbst, aber meist alle gleichzeitig. Das Ganze unterlegt mit ansprechender Pianomusik oder undefinierbaren elektronischen Klängen. Dies hatte den Vorteil, dass man sich als Zuschauer über den Text keine Gedanken machen musste. Er war wohl unbedeutend, so dass die Unverständlichkeit nicht weiter ins Gewicht fiel. Zumindest gab es schöne pantomimisch angelegte Einlagen durch die Schauspieler/-innen, die sich redlich Mühe gaben, keine Langeweile aufkommen zu lassen. So ging es zwei Stunden weiter, erfreulicherweise mit einer Erholungspause für alle. Als Höhepunkt dann der Scheintod des Professors – untermalt durch Beethovens Mondscheinsonate. Das Finale immer so weiter und so weiter und so ….. Ja, und dann waren da natürlich noch die Ziegen, also richtig in echt und so, nicht als Pappbühnendeko. Zumindest waren sie gut erzogen. Haben sich nicht mit meckernden Kommentaren in das Bühnengeschehen eingemischt. Vielleicht waren sie aber auch nur sprachlos, angesichts dessen, was sich da vor ihnen, also „drinnen“ und davor „draußen“ so abspielte. Das war‘s nun mit der neuen Schauspielära, …. war‘s das??  
Unsere Antwort | 06.11.2017

Sehr geehrter Herr Dr. Saretz, vielen Dank für Ihren Beitrag, dem ich entnehme, dass der Premierenabend für Sie leider keine Herausforderung zur Auseinandersetzung war. Es reichte nur für eine Glosse ... Vielleicht stoßen Sie mit der ja genau das an, wozu Sie selbst keinen Anlass sehen: eine Debatte! Gern auch über die verwendeten künstlerischen Mittel! Wir werden diese Debatte ab 10.11. vor und nach jeder Vorstellung führen. Der Dramaturg Jan Kauenhowen, so oft wie möglich auch der Regisseur Jo Fabian und in jedem Fall die Schauspielerinnen und Schauspieler der Aufführung suchen das Gespräch mit dem Publikum. Das gehört zur "neuen Schauspielära". Ich würde mich freuen, wenn Sie dazu doch noch Lust und Zeit fänden - z.B. zum "Theatertag" am 10.11., gern aber auch bei jeder anderen Aufführung. Seien Sie unser Gast: in der Vorstellung und im Gespräch. Mit freundlichen Grüßen Bernd Seidel, Leiter PR/Marketing
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