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Philharmonische Konzerte

1. Philharmonisches Konzert 2019/2020

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ÖSTERREICH

Wer im 19. Jahrhundert im deutschsprachigen Raum Sinfonien schreiben wollte, wurde unweigerlich an den Werken eines aus Bonn am Rhein stammenden Komponisten gemessen, der den größten Teil seines Lebens in Wien verbrachte: Ludwig van Beethoven. Nicht nur Musiktheoretiker und -kritiker, auch die Komponisten selbst nahmen dessen Sinfonieschaffen als Maßstab, der so auf das gesamte Jahrhundert ausstrahlte. Beethoven zu übertreffen, galt als unmöglich. So suchte man nach anderen Lösungen, die große viersätzige Form zu gestalten.

Franz Schubert (1797-1828) und Anton Bruckner (1824-1896) setzten sich auf je eigene Weise mit Beethovens Sinfonieschaffen auseinander. Schubert schlug in der h-Moll-Sinfonie D 759 (auch als Nr. 8 gezählt) aus dem Jahr 1822 einen eher lyrischen, nuancenreichen Ton an. Damit hob er sich von Beethovens zielgerichteter Dramaturgie ab, wie sie in der Formel „durch Dunkel zum Licht“ prägnant gefasst ist. Warum er nur zwei Sätze fertigstellte, wissen wir nicht.

Bruckner arbeitete an seiner neunten Sinfonie von 1887 bis 1894, hauptsächlich in den Jahren 1892 bis 1894. Auch sie blieb unvollendet, zum Finale existieren nur Skizzen.

Dem Beethovenschen Modell folgend legte Bruckner seine Sinfonien auf eine Schlusssteigerung hin an. Doch gestaltete er den Weg dorthin völlig anders als Beethoven. Dieser formte das musikalische Geschehen im Sinne einer musikalischen Logik, in der kein Element überflüssig ist und der Verlauf vollkommen folgerichtig erscheint. Bruckner hingegen fügte Segmente aneinander, die jeweils auf eine Steigerung zulaufen. Die letzte Steigerung und damit das Ziel der Entwicklung bildet eine Apotheose am Ende seiner Sinfonien, die den jeweiligen Anfang aufgreift und überhöht.

Der österreichische Komponist Philipp Manuel Gutmann (*1993) schreibt im Auftrag des Staatstheaters ein ebenfalls „unvollendetes“ Werk.

PHILIPP MANUEL GUTMANN
Periculum für symphonisches Orchester | Auftragswerk (UA)

FRANZ SCHUBERT
Sinfonie Nr. 7 „Die Unvollendete“

ANTON BRUCKNER
Sinfonie Nr. 9

Philharmonisches Orchester
Dirigent: Alexander Merzyn

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