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Philharmonische Konzerte

3. Philharmonisches Konzert 2019/2020

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POLEN 

Jeder noch so weite künstlerische Weg beginnt mit Aneignung und Auseinandersetzung. Daran erinnert die Konzertouvertüre op. 12 von Karol Szymanowski (1882-1937) aus den Jahren 1903 bis 1905. Das Werk klingt dermaßen unverblümt nach Richard Strauss, dass zeitgenössische Hörer wohl kaum darauf gewettet hätten, dieser junge Mann werde je eine eigenständige Musiksprache herausbilden. Dabei ging es Szymanowski sogar um mehr als das: Gemeinsam mit einigen ebenfalls um 1880 herum geborenen Tonsetzern gründete er 1905 die Vereinigung Junger Polnischer Komponisten. Deren Ziel war, neue polnische Musik zu verlegen und aufzuführen. Szymanowski wandte sich dabei gegen den Traditionalismus, wie er um die Jahrhundertwende in der polnischen Musik vorherrschte. Vor diesem Hintergrund wird die Orientierung an Strauss plausibel. Schließlich setzten dessen sinfonische Dichtungen mit ihren außermusikalischen Bezügen Maßstäbe. So floss auch in die Konzeption der Konzertouvertüre ein poetisches Programm ein: die Einleitung zum Poem „Witeź Włast“ (Ritter Włast) von Tadeusz Miciński. Die Überzeugung, dass eine Musik mit nationalem Charakter zugleich höchsten Ansprüchen auf internationalem Niveau genügen müsse, verbindet Szymanowski mit anderen bedeutenden Komponisten, denen das Beiwort „national“ anhaftet, wie etwa Smetana und Dvořák.

Polen verlor Ende des 18. Jahrhunderts seine Eigenständigkeit, was sich zu Frédéric Chopins (1810-1849) Zeiten nicht änderte. Dass Chopin mit zwanzig Jahren seine Heimat verließ, lag ebenso an der unsicheren Lage dort wie an den begrenzten Möglichkeiten, die sie seinem künstlerischen Streben bot. Szymanowski erlebte die Proklamation der Unabhängigkeit im Oktober 1918 als Erwachsener, Witold Lutosławski (1913-1994) wurde Zeuge der wechselvollen Geschichte Polens im 20. Jahrhundert. Das Konzert für Orchester schrieb er von 1950 bis 1954. In jenen Jahren forderte die herrschende Partei von der Kunst vor allem Allgemeinverständlichkeit und Volksnähe. Ab 1953 waren die Veränderungen zu bewältigen, die nach Stalins Tod einsetzten.

KAROL SZYMANOWSKI
Konzert-Ouvertüre op. 12

FRÉDÉRIC CHOPIN
Klavierkonzert Nr. 1

WITOLD LUTOSŁAWSKI
Konzert für Orchester

Maria Radutu – Klavier
Philharmonisches Orchester
Dirigent: Johannes Zurl

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