U
L
L

Philharmonische Konzerte

4. Philharmonisches Konzert 2019/2020

F

SCHWEIZ

Arthur Honegger (1892-1955), dessen Eltern aus der Schweiz stammten, liebte Lokomotiven leidenschaftlich. Der Dampflokomotive „Pacific 231“ setzte er in seinem sinfonischen Satz aus dem Jahr 1923 ein musikalisches Denkmal. „Pacific“ bezeichnet nicht ein bestimmtes Modell, sondern eine Bauart. Maschinen dieses Typs gehörten zu den schnellsten und leistungsfähigsten Dampflokomotiven des 20. Jahrhunderts und zogen legendäre Züge wie den Orient-Express. Honegger wollte mit seiner Tondichtung weniger die Geräusche einer solchen Lok in Musik setzen als vielmehr die Atmosphäre von Schnelligkeit vermitteln.

Der in Genf geborene Ernest Bloch (1880-1959) ist in den Vereinigten Staaten, wo er seit 1917 lebte, weitaus bekannter und anerkannter als in Europa. Die hebräische Rhapsodie „Schelomo“ (Salomo) komponierte Bloch 1916 für Violoncello und Orchester. Ihn faszinierte nach seinen eigenen Worten der „Hebräische Geist“, „die komplexe, glühende, erregte Seele, die in der Bibel vibriert“. Diesen Geist wollte er musikalisch fassen, es ging ihm nicht um eine Rekonstruktion jüdischer Musik oder die Verarbeitung authentischer bzw. vorgeblicher jüdischer Melodien. Doch sind Anklänge hieran in der ungemein kraftvollen Komposition gegenwärtig. „Schelomo“ beginnt mit einem instrumentalen Dialog über die Aussage „Alles ist Eitelkeit und ein Haschen nach Wind“ aus dem Buch Prediger, das traditionell dem König Salomo zugeschrieben wurde. Ein zweiter Abschnitt erinnert an die Opferung Isaaks. Im dritten Teil wechseln pessimistische mit hoffnungsvollen Stimmungen.

„Wie ein Naturlaut“: Diese Angabe nahm Gustav Mahler (1860-1911) in die Bezeichnung des ersten Satzes seiner ersten Sinfonie auf, die er 1888 in Leipzig schrieb. „Naturlaut“ bedeutete für Mahler an dieser Stelle etwas anderes, als mit musikalischen Mitteln Klänge der Natur nachzuahmen – etwa das Rauschen eines Baches oder ein Gewitter. Ihm ging es vielmehr darum, Musik und Natur miteinander zu verbinden. Letztlich steht dahinter die Frage nach der Stellung des Menschen in der Welt.

ARTHUR HONEGGER
Pacific 231

ERNEST BLOCH
Schelomo

GUSTAV MAHLER
Sinfonie Nr. 1

Julian Steckel – Cello
Philharmonisches Orchester
Dirigent: Alexander Merzyn

nach oben D