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Schauspiel

Terra In Cognita

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Choreografisches Figurentheater von Jo Fabian

Uraufführung

Die Inszenierung Jo Fabians ist der Versuch, die Entwicklungsgeschichte der Menschheit in drei Bildern zu erzählen. Für das Große Haus entwarf der Regisseur, Bühnenbildner, Videokünstler und Choreograf drei gleichnishafte, bildgewaltige Bühnenräume, in denen das Schauspielensemble und ein Musiker exemplarische Formen menschlichen Zusammenlebens gestalten. Acht Wochen lang erforschten die Schauspielerinnen und Schauspieler den Zustand der menschlichen Seele, arbeiteten sich ab an historischen Figuren und widmeten sich beispielhaft wirkenden Verhaltensmustern. So entstand ein kunstvoller Blick auf die Menschheitsgeschichte und ihr Potenzial für die Zukunft.

Für das erste Bild hat Schauspielkapellmeister Hans Petith einen Chorsatz komponiert und mit dem Ensemble einstudiert, während Trommler Lars Neugebauer die Inszenierung Schlag um Schlag in Fahrt bringt.

Im zweiten Bild bevölkern die unterschiedlichsten Gestalten einen Bettenraum. Hier müssen sie miteinander auskommen: der Nazi, der Jude und der Muslim. Der Heizer, der Bonze, der Pastor. Die Reisende, die Blinde und der Beamte. Was bleibt von radikalen Ideologien, wenn das Miteinander unausweichlich ist?

Im dritten Bild bricht die Menschheit in die Zukunft auf. Im Öllager, in dem auf leeren Fässern nur mehr getrommelt werden kann, muss sie sich entscheiden: Entwickelt sie aus den gemeinsamen Erfahrungen die Kraft, Neues zu gestalten?

In mehr als 70 Inszenierungen hat Jo Fabian ein eigenes Theaterkonzept entwickelt, das an die französische Avantgarde der 20er Jahre anknüpft und auf Elemente des Surrealismus zurückgreift. Sein Konzept eines „spektralen Theaters“ erforscht die Mechanismen des Unbewussten und dessen Einfluss auf die künstlerische Produktion und deren Wahrnehmung durch den Zuschauer. Fabian nutzt hierbei Ausdrucksformen unterschiedlicher Genres wie Schauspiel, Tanz, Performance, Konzert und Installation.

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PREMIERE Samstag, 24. März 2018 | Großes Haus

Präsentiert von

Besetzung

Regie/Choreografie/Bühne/Kostüme/Video Jo Fabian
Vokalkomposition/Musikalische Einstudierung Hans Petith
Schlagwerk-Einstudierung/Sounddesign Lars Neugebauer
Dramaturgie Lukas Pohlmann
Regieassistenz Romy Schwarzer
Ausstattungsassistenz Hans-Holger Schmidt
Schauspielerin Ilona Raytman
Schauspielerin Lisa Schützenberger
Schauspielerin Michaela Winterstein
Schauspieler Michael von Bennigsen
Schauspieler Kai Börner
Schauspieler Rolf-Jürgen Gebert
Schauspieler Gunnar Golkowski
Schauspieler Thomas Harms
Schauspieler David Kramer
Schauspieler Boris Schwiebert
Schauspieler Axel Strothmann
Musiker (Schlagwerk) Lars Neugebauer

Hinweise

  • Dauer: ca. 2:10 Std. mit Pausen
Rezensionen

Lena Schneider | Der Tagesspiegel | 03.04.2018

„Jo Fabians Abend liefert Musik und Bilder, die sich einbrennen, unverhohlen auf Emotionen abzielen. Im dritten Teil trommelt das Ensemble gemeinsam, schwarz vermummt. Statisch erst, bedrohlich. Dann verrutschen ein paar Tücher und aus der gleichgeschalteten Masse werden Trommler, die sich aus freien Stücken an der eigenen Musik berauschen. Ein erstaunlicher, fast utopischer Moment.“

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Frank Starke | Märkische Allgemeine | 28.03.2018

„Der Hauptteil spielt in einem Schlafsaal. Hier müssen sie nun alle miteinander auskommen: Der Nazi, der Jude und der Muslim. Der Heizer, der Bonze, der Pastor. Die Reisende, die Blinde und der Beamte. Über allem die Frage: Was bleibt von radikalen Ideologien, wenn das Miteinander unausweichlich ist? Es scheint wie auf einem Wimmelbild, und es ist faszinierend zu sehen, wie die drei Schauspielerinnen und neun Schauspieler eine Vielzahl kleiner und kleinster Geschichten erzählen. Das ganze mal archaisch-animalisch, dann wieder sehr fein gesetzt.“

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Torben Ibs | Theater heute | 01.06.2018

„Ein mehrdeutiger Titel, der zwischen Utopiehoffnung, Postkolonialismus und eben der Cottbuser Situation bedeutungsschwer herumschillert […]. Hoffnung – so eine historisch-materialistische Lesart der Szene – bringt alleine das Christentum: Aus dem Orchestergraben entsteigt gegen Ende des viertelstündigen Eröffnungsbildes das zwölfköpfige Ensemble und singt Vivaldis ‚Gloria‘. Alles bleibt düster, aber kraftvoll – ein starker Einstieg!“

Hartmut Krug | Lausitzer Rundschau | 26.03.2018

„Leben ist Fortbewegung, sagt Fabians in der Frühzeit der Menschheit beginnender mehrteiliger Abend. Er zeigt in einer Zeitreise, was die Menschheit antreibt. Leben ist Fortbewegung, auch wenn über dem Raum zwei Felsbrocken als Zerstörungspotential drohen. […] Im zweiten Teil wandert ein Video-Diorama auf dem Vorhang als wunderschönes langes Wandbild durch die historischen Epochen an uns vorbei. Christentum und Gewalt, Michelangelos „David“, eine Nonne mit Koffer und die gewalttätige Ausbreitung des Christentums werden gezeigt. In einer ästhetisch und thematisch tollen, bewegten Szenenfolge geht es durch die Geschichte von Gewalt und Eroberung.“

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