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Schauspiel

Utopia oder Denk ich an Deutschland

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von Edzard Schoppmann

EINE PRODUKTION DES THEATERJUGENDCLUBS AM STAATSTHEATER COTTBUS

Unter dem Titel der Spielzeit des Theaterjugendclubs miniDramaZukunft und mit reichlich Material im Probenkoffer geht es nun gemeinsam weiter in die einzig mögliche Richtung. Am großen Buffet der Gegenwartsliteratur und Stückeschreiber im Jugendtheater fiel die Wahl auf den Autor, Regisseur und Theaterleiter Edzard Schoppmann mit dem Stück UTOPIA ODER DENK ICH AN DEUTSCHLAND.

Eine Silvesternacht in naher Zukunft: Menschen verschiedenster Herkunft treffen im Laufe eines Abends, einer Nacht und eines Morgens aufeinander. Einsame, die sich selbst und ihren Platz in der Gesellschaft noch nicht gefunden oder wieder verloren haben. Deutsche und Nichtdeutsche, Pendler zwischen Hoffnung und Resignation. Sehnsüchtige, die sich in ihrer Isoliertheit aneinander klammern. Wütende, weil sie sich ausgegrenzt fühlen. Über Nacht entstehen Begegnungen zwischen Fremden, aus Worten werden Fäden gesponnen, ein löchriges Netz geflochten, durch das man einen Blick auf Utopia werfen kann. Bruchstücke werden zusammengefügt, zerfallen wieder, um nach neuen Antworten zu suchen. Was geschieht, wenn wir nicht miteinander sprechen? Was geschieht, wenn wir nicht Grenzen setzen? Das Stück zeigt die Momentaufnahme einer Silvesternacht mit all den unterschiedlichen Hoffnungen für die Zukunft. Es geht der Frage nach, ob es gelingen kann, ein geschichtlich monoethnisches Land wie Deutschland in eine multiethnische Gesellschaft zu verwandeln. Kann es miteinander ein Utopia geben? Oder zerfällt Deutschland in ein Puzzle aus Teilgesellschaften, Kulturen und Ethnien, die nicht mehr zusammengefügt werden können. „Denk ich an Deutschland in der Nacht, bin ich um den Schlaf gebracht.“ Diesen Satz schrieb Heinrich Heine im Exil im Vorfeld der 48er Revolution, in einer Zeit, die ebenfalls von Aufbruch, Widerstand, der Sehnsucht nach Restauration und vielen Ängsten geprägt war. Leben wir wieder in einer solchen Zeit? Ein Stück, das nach Utopia fragt und zeigt, wie stark die Sehnsucht danach ist – bei allen, unabhängig von Herkunft und Religion. 

Gemeinsam mit den jungen SpielerInnen möchte sich die künstlerische Leiterin des Theaterjugendclubs und Theaterpädagogin Nadine Tiedge dem Stück über eine globale Perspektive annähern. Der dazu gewählte verbindende Ort soll ein Wald sein. Die Wiege der Menschheit und Sinnbild für Gemeinschaft, Kommunikation oder auch Heimat. Abgesägte Baumstämme, grüne, quadratische Inseln aus Auslegware, Plastikfolie, ein Zweig mit grünen Blättern, ein Ort der Ruhe, des Friedens, der Wurzeln. Der Heimatplanet Erde ist von den Menschen auf der ganzen Welt in den Zustand ihrer eigenen Probleme versetzt. Die Natur ist zerstört, unsere Kultur ist gestört oder doch nur verunsichert? Junge Menschen aus Cottbus und anderen Orten werden mit ihrer gelebten Biografie den Figuren im Stück UTOPIA ODER DENK ICH AN DEUTSCHLAND vorsichtig, neugierig, manchmal unüberlegt und emotional begegnen.

Um sich voll und ganz auf die künstlerische Arbeit konzentrieren zu können, werden sich die SpielerInnen in den Osterferien eine Woche in die Abgeschiedenheit Mecklenburgs auf das Schloss Bröllin begeben. Dort ist dann am 9.4.2020, ab 19.00 Uhr die dritte Werkschau des jungen Ensembles zu erleben. Und dann geht es mit doppelter Geschwindigkeit und Kreativentladung zurück nach Cottbus in die geplante Premiere der diesjährigen Eigenproduktion.

PREMIERE Donnerstag, 14. Mai 2020 | Kammerbühne

Besetzung

Künstlerische Leitung Nadine Tiedge
Bühne Hans-Holger Schmidt
Kostüme Sarah Voigt
Assistenz der Künstlerischen Leitung Caroline Quos
Dramaturgische Begleitung Tamina Alex
Darstellerinnen und Darsteller Lucy Franz, Tara Juretko, Annalena Köppe, Emily Ortmann, Svenja Palicka, Lia Roschlaub, Anna Tydykova, Rebecca Walter, Saleh Alallwan, Carol Ameln, Cristian Ameln, Nico Gehrisch, Rian Knittel, Maximilian Schulz, Lorenz Schwadt, Oliver Zippel
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