Mit REDOX gestalten Sabine Herrmann und Klaus Killisch gemeinsam mit den Musikern Enkidu rankX und Uri Killisch einen interdisziplinären Abend zwischen Screening, Performance, Lesung und Live-Musik. Ausgangspunkt sind Kunstwerke von Sabine Herrmann und Klaus Killisch aus der Sammlung des BLMK: Malerei, Fotografie und Künstlerbuchprojekte, die in der späten DDR und der Zeit danach entstanden sind.
Die Präsentation großformatiger, vom Schnürboden in den Raum gehängten Malereien bilden den Ausgangspunkt für ein sich im Verlauf der Veranstaltung wandelndes Bühnensetting. Projektionen grafischer Werke und Fotografie transformieren den Bild/Raum analog zur musikalischen Intervention, die sich mit Live gelesenen Textfragmenten aus Künstlerbüchern, also künstlerischen Nischenprojekten der 1980er Jahre verknüpft werden.
Der Titel REDOX verweist auf den chemischen Prozess der Oxidation und Reduktion – eine Reaktion von Abgabe und Aufnahme, von Transformation und Energieübertragung. Dieses Prinzip bildet die konzeptuelle Grundlage des Abends: Archivmaterial wird nicht historisch abgeschlossen präsentiert, sondern als aktiver Bestandteil eines gegenwärtigen künstlerischen Prozesses verstanden.
Die präsentierten (historischen) Kunstwerke thematisieren u.a. Öffentlichkeit und Kontrolle, Körper und Handlung, Sprache und Bildproduktion unter politischen und gesellschaftlichen Spannungsbedingungen. In der Live-Zusammenarbeit mit den Musikern und Schauspieler*innen entstehen neue Konstellationen von Bild, Text und Klang, die das Material aktualisieren und in einen offenen Dialog mit der Gegenwart überführen. Die musikalische Ebene agiert dabei nicht illustrativ, sondern als gleichwertiger Partner. Elektronische Strukturen, Improvisation und körperliche Klänge reagieren auf Bildrhythmen, Schnitte und Pausen und erzeugen eine performative Verdichtung des Archivs.
Über Klaus Killisch
Klaus Killisch steht wie kaum ein anderer Maler der in den 1980er Jahren jungen Generation der Maler in der DDR mit seinen hochexpressiv gemalten, zeitgenössisch transdisziplinär motivierten und gleichermassen kunsthistorisch aufgeladenen Bildern für das Aufbegehren und die lustvolle Rebellion der Kunst gegen jegliche Form starrer gesellschaftlicher, ästhetischer und politischer Konventionen. Insbesondere die Serie "Tango bis es weh tut", deren Titel von Tom Waits Song "They tango till they're sore" abgeleitet ist verkörpert das ebenbürtige Pendant zu den im Westen zeitgleich entstandenen Bilder der "Jungen Wilden". Beidseits der Mauer waren hierbei motivisch kennzeichnend Bilder sinnlich goutierter Endzeitstimmungen, deren atmosphärische Verdichtung in urbanen Landschaften und ihrem Kulturraum verortet werden. Auf die Avantgarden des frühen 20. Jahrhunderts verweisend spitzt sich die Bildsprache in einer Mischung aus kulturell und politisch begründeter, melancholischer Gereiztheit und hedonistischem Aufbruch zu.
Weitere Werke von Klaus Killisch sind aktuell in einer Ausstellung im Dieselkraftwerk Cottbus zu sehen:
Gemachte Männer
Körper, Gestus, Habitus maskuliner Bildwelten
28. Feb. – 17. Mai 2026
Besetzung
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Bild, Text, künstlerische KonzeptionSabine Herrmann, Klaus Killisch
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Elektronik, Live-Sound, SamplingEnkidu rankX
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Instrument / Stimme / performative KlangarbeitUri Killisch
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sowieSchauspieler*innen des Schauspielensembles