Früher pilgerte man nach Lourdes. Heute fährt man zum TÜV. In beiden Fällen hofft man auf ein Wunder.
Das Automobil ist die erfolgreichste Religionsgründung des 20. Jahrhunderts. Es hat seine Heiligen, seine Götter, seine Glaubenskriege und seine Jungfrauen. Die Frau wird verehrt, vorzugsweise als Kühlerfigur, und der Mann erfährt hinter dem Lenkrad jene Allmacht, die ihm im wirklichen Leben meist versagt bleibt.
Auch die sozialistische Welt blieb vom automobilen Glauben nicht verschont. Im Osten wartete man jahrelang auf den Trabbi wie auf die Ankunft des Messias. Im Westen glaubte man an immer mehr PS. Dabei gab es schon 1912 Elektroautos. Aber wer will schon geräuschlos in den Himmel fahren?
1973 folgte die erste große Glaubenskrise: Ölboykott, Fahrverbote, autofreie Sonntage. Und heute? Wieder Krieg im Nahen Osten, wieder explodierende Spritpreise. Eine religiöse Erschütterung ungeahnten Ausmaßes.
Ein Videoschnipselvortrag über die Liebe zum Blech, den Glauben an den Fortschritt und die erstaunliche Fähigkeit des Menschen, sich freiwillig in einen Stau zu stellen und das Freiheit zu nennen.
Der Herr ist mein Hirte. Mir wird an nichts mangeln. Außer an Benzin.